So gründest du einen Esport Verein

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In Deutschland ist es denkbar einfach, sich mit Gleichgesinnten in einem Verein zu organisieren. Dennoch gibt es sicherlich viele Menschen, die dafür zurückschrecken, da sie dahinter einen großen bürokratischen Aufwand vermuten. Doch diese Angst ist vollkommen unbegründet! Im folgenden Guide zeigen wir euch, welche Vorteile euch die Gründung eines Esport-Vereins bringen, was ihr dabei zu beachten habt, welche Schritte ihr in der Anfangsphase befolgen solltet und welche Anlaufstellen es gibt.

Einen Esport-Verein gründen? Wozu soll das gut sein?

Es gibt praktisch für jedes denkbare Thema einen Verein. Sie bringen Menschen zusammen, die die gleichen Interessen vertreten oder gemeinsame Ziele haben. Das kann die Ausübung einer Sportart sein, das Engagement für soziale Projekte oder die Durchsetzung von politischen und gesellschaftlichen Zielen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Der Esport ist ein digitales Medium und ohne das Internet in seiner heutigen Form nicht denkbar. Wozu braucht man also überhaupt noch vor Ort Vereine, wenn sich sowieso alles online abspielt? Das ist gar keine schlechte Frage, da die Antwort nicht direkt auf der Hand liegt.

Esport ist ein recht junges Phänomen, welches noch nicht in allen Gesellschaftsschichten angekommen und akzeptiert ist. Obwohl die Entwicklung des elektronischen Sports in den letzten Jahren einen gewaltigen Sprung gemacht hat, ist die Lobby im Gegensatz zu anderen Sportarten stark unterrepräsentiert. Daher ist es wichtig, dass sich die Gaming-Community zusammentut und für die Interessen aller Esportler und Esportlerinnen eintritt, um sich Gehör zu verschaffen.

Dazu gibt es eine Reihe sozialer sowie ganz praktischer Vorteile: Esport ist etwas, das man gemeinsam erlebt. Die Personen, mit denen man vielleicht sonst nur im Netz kommuniziert, kann man so auch persönlich treffen. So schließt man Freundschaften und wächst als Team und Bewegung enger zusammen. Gerade in Teamdisziplinen wie League of Legends, Counter-Strike oder Overwatch ist der Zusammenhalt und die Kommunikation extrem wichtig. Ein Stamm-Team kann beim gemeinsamen Training besser Situationen analysieren und üben, wie man darauf reagiert.

Vereine sollten daher lokal aufgestellt sein. Theoretisch ist es möglich, auch einen reinen Online-Clan in einen Verein umzuwandeln, jedoch gibt es hierbei nicht viele Vorteile, die ein ortsansässiger Verein (im günstigsten Fall) samt Vereinsheim bietet. Die Gründung auf lokaler Ebene eröffnet auch Möglichkeiten zu Kooperationen mit Institutionen oder Sponsoren vor Ort oder in der Region. Der Esport-Verein ist somit ein Instrument der Vernetzung.

Gerade für die Eltern von Jugendlichen kann es auch wichtig sein, dass ihre Kinder ihr Hobby in einer kontrollierten Umgebung ausüben. Vereine bieten Coachings und strukturierte Trainingspläne an und können somit Gaming in einen pädagogischen Rahmen setzen. Esport setzt sich damit vom Klischee als unsoziale Freizeitbeschäftigung deutlich ab.

Darüber hinaus organisieren viele Vereine Turniere und andere Veranstaltungen, für ihre Mitglieder und für Außenstehende. Die Vereinskultur ist damit auch aktiv an der Aufklärung von Menschen beteiligt, die bisher nichts mit Esport zu tun hatten.

Was benötige ich, um einen Verein zu gründen?

Die Hürden, die es bei der Gründung eines eingetragenen Vereins, zu überwinden gilt sind nicht allzu groß. Generell werden dazu nur sieben Mitglieder benötigt, eine Satzung und die Wahl eines Vorstandes. In der Satzung müsst ihr erklären, wofür euer Verein steht, welche Ziele ihre verfolgt und was passieren soll.

Da es derzeit noch keine mustergültigen Satzungen für diesen Bereich gibt, ist es immer ratsam, mit einem Anwalt zu sprechen, der euch bei der korrekten Erstellung hilft. Wenn es beispielsweise zu Formfehlern oder anderen Fehlern in den Details kommt, verkompliziert sich der Vorgang.

Die beschlossene Satzung muss dann, samt Gründungsprotokoll (Unterschriften nicht vergessen!), beim Vereinsregister zur Anmeldung gereicht werden. Dieses ist meist beim zuständigen Amtsgericht ansässig.

Bevor die Anmeldung eingereicht werden kann, muss sie jedoch von einem Notar beglaubigt werden. Sowohl die Beglaubigung als auch die Registrierung kosten jeweils eine kleine Gebühr von ca. 26 bzw. 52 Euro. Eine anschließende Bekanntmachung der Eintragung schlägt noch einmal mit etwa 10 bis 30 Euro zu Buche. Damit liegen die Kosten für eine Vereinsgründung bei knapp 100 Euro, was bei einer Mindestanzahl von sieben Personen leicht zu bewerkstelligen ist.

Wichtiges über den Esport-Verein

Der eingetragene Verein ist also eine Gesellschaftsform, die recht einfach zu durchschauen ist. Ein weiterer Vorteil eines eingetragenen Vereins ist, dass einzelne Mitglieder oder der Vorstand nicht für ihn haften und nicht mit ihrem Kapital einstehen müssen.

Derzeit ist es leider noch schwierig, Esport-Vereine als gemeinnützig anerkennen zu lassen. Dies geschieht im Moment nur über Umwege, obwohl die Bundesregierung im Koalitionsvertrag zugesichert hat, hier künftig nachzubessern. Wenn die Gemeinnützigkeit eines Vereins anerkannt wird, bringt ihm das einige wichtige Vorteile. Dazu gehören eine verminderte Abgabenlast, die Bereitstellung von öffentlichen Räumen, die Vergütung für Trainer und Coaches, Zugang zu Mitteln der Vereinsförderung, das Ausstellen von Spendenquittungen und ein geringerer Nachweis aufwand.

All diese Dinge erleichtern die Arbeit eines Vereins ungemein, da sowohl aus finanzieller als auch aus bürokratischer Perspektive viele Hürden genommen werden. Der Leipzig eSports e.V. gilt seit Anfang 2018 als gemeinnütziger Verein, steht jedoch mit diesem Status ziemlich alleine da: Seine Gemeinnützigkeit ist als Verein für Jugendhilfe anerkannt, womit seine Legitimation letztlich nicht auf der Förderung des Esports fußt.

Das bedeutet konkret, dass der Esport hier eher ein Mittel zum Zweck darstellt und der Verein genau darauf achten muss, was er tut, um die Gemeinnützigkeit nicht zu verlieren. Der Betrieb eines CS:GO-Teams, welches nur aus Erwachsenen besteht, steht daher außer Frage.

Ob und wann dem Esport wie Sport, Jugendhilfe, Kultur o.ä. Zwecke die Gemeinnützigkeit bescheinigt wird, ist noch offen. Trotzdem könnte 2019 diese Änderung in Kraft treten.

Fazit

Wie ihr seht, ist es nicht allzu schwer, sich in einem Verein zu organisieren. Wichtig ist nur, dass ihr zusammenarbeitet und nicht alle Lasten auf nur ein oder zwei Schultern verteilt. Wenn ihr zudem die wichtigsten Anlaufstellen kennt (d.h. einen Anwalt und euch für mehr Unterstützung an den eSport-Bund Deutschland e.V. (ESBD) wendet), könnt ihr die schwersten Steine ohne großen Aufwand aus dem Weg räumen.

Zudem ist die Aussicht ganz gut, dass vielleicht noch 2019 die Gemeinnützigkeit von Esport-Vereinen anerkannt wird, sodass die oben beschriebenen Vorteile genutzt werden können.

Ein guter Ansprechpartner ist Martin Müller, seines Zeichens Vizepräsident des ESBD zuständig für Breitensport. Weitere Informationen könnt ihr auch auf der Webseite des eSport-Bundes finden.

Vielen Dank an Martin Müller (Vorstandsvorsitzender Magdeburg eSports e.V. und Vizepräsident ESBD – eSport Bund Deutschland e.V.) für die Hilfe bei der Erstellung dieses kleinen Guides!

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